Wenn ich über die Zukunft der Glasbranche nachdenke, stehen oft Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Fachkräftemangel im Mittelpunkt. Doch ein Thema beschäftigt mich persönlich viel direkter: die Unternehmensnachfolge.
Für mich ist Nachfolge kein reiner organisatorischer Vorgang. Sie ist ein Übergang zwischen Generationen – zwischen dem, was aufgebaut wurde, und dem, was entstehen darf. Gerade in unserer Branche, in der viele Unternehmen über Jahrzehnte gewachsen sind, steckt Wissen selten nur in Dokumenten, sondern vor allem in den Menschen, die sie geprägt haben.
Ein Gedanke begleitet mich dabei besonders: „Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am besten auf Veränderungen reagiert.“
Nachfolge bedeutet genau das: sich verändern zu können, ohne die eigene Identität zu verlieren.
In vierter Generation: Unternehmensnachfolge zwischen Vertrauen und Verantwortung
Ende 2024 habe ich das Unternehmen Glas Natter von meiner Mutter übernommen. Sie hat den Betrieb 21 Jahre lang geführt – nachdem mein Vater früh verstorben ist und sie plötzlich allein Verantwortung tragen musste. Mit großer Stärke, Weitblick und Ausdauer hat sie das Unternehmen durch viele Herausforderungen geführt. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit und großen Respekt.
Die Übergabe war kein einzelner Moment, sondern ein Prozess über mehr als zwei Jahre. Ein Weg voller Entscheidungen, Gespräche und Vertrauen.
Neue Rollen, eine gemeinsame Basis
Heute hat sich daraus eine besondere Form der Zusammenarbeit entwickelt: Meine Mutter ist inzwischen im Unternehmen bei mir angestellt. Unsere Rollen haben sich verändert, aber die Basis ist geblieben – Vertrauen, gegenseitiger Respekt und das gemeinsame Ziel, das Unternehmen weiterzuentwickeln.
Ich bin sehr dankbar für unser Verhältnis. Sie steht voll hinter mir, vertraut meinen Entscheidungen und gibt mir den Raum, meinen eigenen Weg zu gehen. Diese Unterstützung, ohne mir in meine Arbeit hineinzureden, ist für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein großes Geschenk.
Für mich zeigt genau das, was gelungene Unternehmensnachfolge sein kann: kein Bruch, sondern ein Weitergehen in neuer Form.
Nachfolge als Beginn eines neuen Kapitels
Gerade in Zeiten schneller Veränderungen zeigt sich, wie wichtig Anpassungsfähigkeit ist – nicht nur in Märkten und Technologien, sondern auch in der Art, wie wir Unternehmen weitergeben.
Ich bin überzeugt: Unternehmensnachfolge ist kein Abschluss. Sie ist der Beginn eines neuen Kapitels – für Unternehmen, Familien und die gesamte Branche.
Wer schreibt hier?
Dieser Beitrag stammt von Barbara Bosse, Geschäftsführerin der Glas Natter GmbH in Regensburg, Mitglied im Bundesverband Flachglas. Sie hat das Familienunternehmen Ende 2024 übernommen und gibt persönliche Einblicke in die familieninterne Unternehmensnachfolge.
Kontakt: ba***********@*********er.de | www.glas-natter.de | Instagram | LinkedIn








