Ein zentrales Problem unserer Zeit ist unser Umgang mit Rohstoffen. Die Wiederverwendung und das Recycling von Materialien, insbesondere von Kunststoffen, sind wichtige Bausteine für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise. Doch die eigentliche Herausforderung reicht noch weiter: Unser Planet kann den stetig steigenden Rohstoffbedarf der Menschheit langfristig nicht decken.

Der aktuelle Circularity Gap Report 2025 zeichnet hierzu ein alarmierendes Bild. Demnach werden rund 93 Prozent aller weltweit eingesetzten Materialien aus neuen Rohstoffen gewonnen und enden nach ihrer Nutzung häufig als Abfall.¹ Die globale Kreislaufwirtschaft befindet sich damit weiterhin auf dem Rückzug.

Rohstoffverbrauch und Klimawandel hängen direkt zusammen

Die Dringlichkeit dieses Problems wird besonders deutlich, wenn man den Zusammenhang zwischen Materialverbrauch und Treibhausgasemissionen betrachtet. Große Teile der globalen Emissionen stehen unmittelbar mit der Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung von Materialien in Verbindung.

Von der Kleidung, die wir tragen, über unsere Mobiltelefone bis hin zur Lebensmittelproduktion – unser Konsum gehört zu den größten Treibern der Emissionen. Besonders relevant ist dabei der Gebäudesektor. Allein der Bereich des Bauens ist für rund 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich und verursacht etwa 50 Prozent des Verbrauchs natürlicher Ressourcen.²

Gerade deshalb kommt dem Bauwesen und den eingesetzten Materialien eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren.

Die Folgen linearen Wirtschaftens sind längst sichtbar

Die Auswirkungen dieses linearen Wirtschaftens sind bereits heute deutlich spürbar und manifestieren sich im fortschreitenden Klimawandel. Der Weltklimarat (IPCC) warnt in seinem jüngsten Synthesebericht eindringlich davor, dass die globale Erwärmung die Natur bereits gefährlich verändert hat und sich das Zeitfenster für wirksame Gegenmaßnahmen zunehmend schließt.³

Nach aktuellen Schätzungen leben 3,3 bis 3,6 Milliarden Menschen in Regionen, die besonders stark durch die Folgen des Klimawandels gefährdet sind.³ Die Kernaussage des Berichts ist eindeutig: Die Auswirkungen, die wir heute beobachten, treten schneller auf und sind weitreichender als noch vor wenigen Jahrzehnten erwartet.

Wir befinden uns bereits mitten in dieser Entwicklung. Weltweite Hitzerekorde, verheerende Waldbrände und historische Überschwemmungen sind keine fernen Zukunftsszenarien mehr, sondern Realität.

Kreislaufwirtschaft als notwendiger Ansatz

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum die Kreislaufwirtschaft weit mehr ist als ein Schlagwort. Sie beschreibt einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Ressourcen: Materialien sollen möglichst lange im Nutzungskreislauf bleiben, wiederverwendet oder recycelt werden und so den Bedarf an neuen Rohstoffen reduzieren.

Gerade im Bauwesen bedeutet dies, Materialien effizient einzusetzen, ihre Wiederverwendung mitzudenken und den gesamten Lebenszyklus von Produkten stärker zu berücksichtigen.

Was der Bundesverband Flachglas im Bereich Nachhaltigkeit tut

Der Bundesverband Flachglas hat für die Themen Klima und Nachhaltigkeit den Arbeitskreis „Klima und Nachhaltigkeit“ ins Leben gerufen. In diesem Arbeitskreis werden zentrale Fragestellungen rund um Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und die Rolle von Flachglas im Kontext des nachhaltigen Bauens bearbeitet.

Ein erstes Ergebnis dieser Arbeit ist bereits veröffentlicht: ein Merkblatt zu Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations – EPD). Darin werden die Grundsätze einer EPD erläutert, welche Informationen ihr entnommen werden können und wofür diese in der Praxis verwendet werden.

Das Merkblatt steht auf der Website des Bundesverbandes Flachglas kostenfrei in deutscher und englischer Sprache zum Download zur Verfügung.

Ausblick

Die Anforderungen an ressourcenschonendes und klimabewusstes Wirtschaften werden weiter steigen. Umso wichtiger ist es, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft auch im Bauwesen und in der Glasbranche stärker zu verankern.

Der Bundesverband Flachglas wird sich mit diesen Fragestellungen weiterhin intensiv beschäftigen und Impulse für die Branche setzen.

Fazit

Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – sie ist ein Leitprinzip für verantwortungsvolles Handeln in Wirtschaft, Gesellschaft und Bauwesen. Unser Blog zeigt künftig, wie die Flachglasbranche zur nachhaltigen Transformation beiträgt. Im nächsten Blogbeitrag widmen wir uns dem Thema Kreislaufwirtschaft.

Wer schreibt hier?

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Michael Elstner, Produktmanager für Glas und Baustoffe beim ift Rosenheim. Er engagiert sich im Bundesverband Flachglas als Sprecher des Arbeitskreises „Klima und Nachhaltigkeit“.

¹ Circularity Gap Report 2025

2 www.europarl.europa.eu (07.02.2024); JRC Study on Construction and Demolition Waste; Wealthcap: Circular Economy – Potenziale für Bestandsimmobilien.

³ IPCC, 2023: Climate Change 2023: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. IPCC, Geneva, Switzerland, pp. 35–115, doi: 10.59327/IPCC/AR6-9789291691647.

Mittelbayerische Zeitung, 01. März 2022, 78. Jahrgang, Nr. 49.

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