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Vogelschlag an Glasflächen:

So kann Piepmätzen

wirksam geholfen werden

 

Troisdorf. Jahr für Jahr kollidieren Vögel während der Vogelzugzeiten oder bei der Nahrungssuche mit Verglasungen von privaten und öffentlichen Gebäuden. Zum Verhängnis kann ihnen – je nach den Verhältnissen am Gebäude – werden, dass das Glas die Landschaft spiegelt oder durchscheinen lässt und den Tieren so eine freie Flugbahn vortäuscht. „Ein Großteil dieser Vorfälle kann durch einfache Maßnahmen verhindert werden – und das, ohne vorhandene Glasflächen zu verkleinern oder bei einem Neubau kleinere Glasflächen einzuplanen“, so der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Flachglas (BF), Jochen Grönegräs.

 

Große Fensterflächen können für Vögel zur Falle werden. Das liegt daran, dass normale Glasscheiben für sie oft nicht als Hindernis sichtbar sind – sie versuchen, den vermeintlich freien Luftraum zu nutzen und fliegen dabei gegen die Verglasung. Eine Lösung für dieses Problem bietet spezielles Vogelschutzglas mit auf die Glasscheibe flächig aufgedruckten Strukturen, die nah beieinander liegen. „Für Vögel erscheinen diese Bedruckungen wie dichtes Geäst, durch das sie nicht fliegen, wenn sie keine Freiflächen erkennen“, erklärt Jochen Grönegräs. Das funktioniere allerdings nur, wenn gewisse Vorgaben eingehalten werden: „Zum einen dürfen die Abstände zwischen den aufgedruckten Motiven nicht größer als eine Hand sein. Deshalb funktionieren auch oft an Bestandsgebäuden zu beobachtende, verstreut aufgeklebte Vogelgrundrisse nicht“, bekräftigt der BF-Geschäftsführer und führt weiter aus: „Außerdem muss ein Bedruckungsgrad von mindestens 15 Prozent gegeben sein – dies wird von Vögeln wahrgenommen, der Mensch kann allerdings einen trotzdem nahezu ungestörten Blick in die Natur genießen.“ Ein anderes Glasprodukt macht sich die Fähigkeit von Vögeln zunutze, Teile des ultravioletten Lichtspektrums sehen zu können. Dabei wird das Glas mit einer speziellen Beschichtung versehen, die UV-Licht reflektiert. Diese wird nicht vollflächig aufgebracht, sondern partiell in Form einer Mikado-Struktur. „Für die Vögel wird die Beschichtung sichtbar und sie erkennen Glasscheiben als Hindernis. Für das menschliche Auge bleibt die Beschichtung dagegen nahezu unsichtbar“, so Grönegräs. Daneben gibt es weitere Lösungen, die weniger ausgefeilt sind, die aber auch helfen können, das Leben von Vögeln zu retten. Dazu zählen unter anderem halbtransparente Gläser wie Milchglas, Glasbausteine und farbiges Glas. „Möglich ist auch, an den neuralgischen Stellen die Spiegelwirkung des Glases zu reduzieren“, erklärt Jochen Grönegräs. Hierfür bieten sich entspiegelte Gläser mit einer verringerten Außenreflexion an.

 

Notlösung: Einfach mal nicht putzen

Klingt merkwürdig, funktioniert aber auch als Notlösung: Wer die Fenster etwas seltener putzt, macht die Glasoberfläche für Vögel besser sichtbar. Ebenfalls möglich ist die Behandlung der Glasoberfläche mit einem Stift mit UV-Licht absorbierender Lösung oder die Beklebung mit UV-Licht absorbierenden Folien. „Alternativen dazu sind regelmäßige Muster, die auf die Scheibe geätzt, geschliffen oder in Form einer Rasterfolie aufgeklebt werden“, so Grönegräs. Eine weitere, zeitweise Möglichkeit bieten Außenjalousien. Werden diese heruntergelassen, ist das für die Tiere erkennbar und sie umfliegen die Gefahrenstelle. Ebenso helfen vor den Glasscheiben angebrachte Netze, Fliegengitter oder spezielle Vogelschutzgitter. „Da diese jedoch den freien Blick nach draußen einschränken, kann man auch die Natur selbst für den Tierschutz einsetzen“, erklärt Grönegräs. So sei es unter anderem sinnvoll, Bäume und Sträucher relativ nah am Fenster zu platzieren, damit die Vögel beim Abflug nur eine relativ geringe Geschwindigkeit hätten. „Außerdem macht es Sinn, hochstehende Pflanzen auf Außenflächen bereits im Spätsommer zu mähen, damit den Tieren im Herbst und im Winter keine Nahrungsflächen in Gebäudenähe mehr zur Verfügung stehen – und sich damit auch keine Glasflächen mehr in ihrer unmittelbaren Abflugbahn befinden“, schließt Grönegräs. BF/DS

 

Bild 1: Oft zu sehen, aber wenig hilfreich. Glasaufkleber für den Vogelschutz. Foto: Pixabay/Hans Braxmeier

 

Bild 2: Solche Strukturen – hier stark vergrößert – können von Vögeln wahrgenommen werden, sind für Menschen aber fast unsichtbar. Foto: BF/Arnold Glas

 

Bild 3: So sieht das Fensterglas mit den Strukturen von Bild 2 aus der Distanz aus. Foto: BF/Arnold Glas

 

Bild 4: Spezielle Beschichtungen erlauben die Bedruckung mit verschiedenen Motiven. Foto: BF/Glas Trösch

 

Weiteres zu Flachglas unter www.glas-ist-gut.de.

 

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10. September 2019

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