• DE
  • EN

Neues vom Arbeitskreis Warme Kante zum Thema Fassaden

Troisdorf. Die BF Datenblätter mit repräsentativen Psi-Werten für Fenster erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass sie oft auch für Festverglasungen in Pfosten-Riegel-Fassaden verwendet werden. Dabei sind sie hierfür gar nicht zulässig. Grund genug für den BF Arbeitskreis Warme Kante, sich in seinem sechsten Forschungsvorhaben mit dem Thema Fassaden zu beschäftigen.

 

Der Wärmedurchgangskoeffizient UCW von Pfosten-Riegel-Fassaden wird nach EN ISO 12631 [1] ermittelt. Zwei Wege beschreibt die Norm dazu: 1.) das sog. „Vereinfachte Beurteilungsverfahren“, das keinesfalls einfach ist, sondern immer eine individuelle, detaillierte Berechnung mit FEM-Software erfordert, und 2.) das „Verfahren mit Beurteilung der einzelnen Komponenten“. Bei der letztgenannten Vorgehensweise wird der UCW-Wert aus den flächen- und längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten (U- und Psi-Werte) der einzelnen Fassadenbestandteile zusammengesetzt. Weil in Pfosten-Riegel-Fassaden als Füllungen Fenster, Paneele oder Festverglasungen vorkommen können, sind deutlich mehr Eingangsdaten zu bestimmen als beim Fenster. Während für den UW-Wert eines Fensters die zwei U-Werte von Glas und Rahmen sowie der Psi-Wert für die Wärmebrücke am Glasrand benötigt werden, so braucht es für den UCW-Wert schon bis zu fünf verschiedene U-Werte und sechs Psi-Werte (Abb. 1).

 

Abb. 1: Musterfassadenelement gemäß EN ISO 12631 mit den benötigten Kenngrößen zur UCW-Wert-Ermittlung nach dem „Verfahren mit Beurteilung der einzelnen Komponenten“.

 

 

Die linearen Wärmedurchgangskoeffizienten ψmg und ψtg für die Wärmebrücke am Übergangsbereich von der Festverglasungsfläche zur Pfosten- bzw. Riegel-Fläche können entweder detailliert berechnet oder aus einer Tabelle im Anhang B der EN ISO 12631 abgelesen werden. Ersteres ist aufwändig, mit letzteren lässt sich das wärmetechnische Verbesserungspotential von warmer Kante nicht optimal ausschöpfen.

 

Repräsentative Psi-Werte für Fassadenprofile

Analog zur Vorgehensweise bei den BF Datenblättern für Fenster wurden in dem Forschungsvorhaben am ift Rosenheim zunächst drei repräsentative Fassadenprofilklassen festgelegt: ein Holz-Metall-System und ein thermisch getrenntes Metall-Fassaden-System in zwei unterschiedlichen Profiltiefen. Für diese drei Fassadenprofilklassen werden pro warme-Kante-System jeweils für Zweischeiben- und für Dreischeiben-Isolierglas insgesamt sechs repräsentative Psi-Werte ermittelt.

 

Die ersten BF-Datenblätter mit repräsentativen Psi-Werten für Fassadenprofile wurden im Mai 2016 veröffentlicht. Die jeweils aktuell gültigen BF Datenblätter für Fenster und für Fassadenprofile stehen auf der Homepage des BF unter http://www.bundesverband-flachglas.de/downloads/datenblaetter/ kostenlos zum Download zur Verfügung.

 

Abb. 2: Layout der BF-Datenblätter ‚Psi-Werte Fassadenprofile‘.

 

Anwendungsbereich gemäß ift-Richtlinie WA-22/1

Die repräsentativen Psi-Werte für Fassadenprofile dürfen nicht uneingeschränkt für alle Fassadenkonstruktionen verwendet werden. Der zulässige Anwendungsbereich ist durch die neue ift-Richtlinie WA-22/1 [2] geregelt. Danach  müssen Fassadenhersteller bei Verwendung der BF-Datenblätter ‚Psi-Werte Fassadenprofile‘ folgende Vorgaben beachten:

 

Die tatsächlich verwendeten Fassadenprofile müssen mit den repräsentativen Profilen der BF-Datenblätter ‚Psi-Werte Fassadeprofile‘ vergleichbar sein.

Die Wärmedurchgangskoeffizienten Um und Ut der tatsächlichen Fassadenprofile müssen (inkl. des Schraubeneinflusses) bei Zweifach-Isolierglas größer oder gleich 1,3 W/(m²K) und bei Dreifach-Isolierglas größer oder gleich 0,9 W/(m²K) sein.

Bei außen freiliegendem Glasrand und bei SSG (Structural Sealant Glazing)-Systemen dürfen die repräsentativen Psi-Werte nicht verwendet werden.

Der tatsächliche Glaseinstand muss mindestens 13 mm betragen.

Die berechneten repräsentativen Ψ-Werte gelten für Ug ≥ 1,0 W/(m²K) bei 2-fach- bzw. Ug ≥ 0,5 W/(m²K) bei 3-fach-Isolierglas.

Bei Glasscheiben dicker als 6 mm müssen die repräsentativen Ψ-Werte mit Zuschlägen erhöht werden. Die Glasdicke der mittleren Scheibe bei Dreifach-Aufbauten ist nicht relevant. Sind die Glasdicken geringer als 6 mm, dürfen die Korrekturwerte von den repräsentativen Psi-Werten abgezogen werden.

 

BF Merkblatt 004 - Kompass ‘Warme Kante‘

Die „Bedienungsanleitung“ für die BF-Datenblätter, das BF Merkblatt 004 - Kompass ‘Warme Kante‘ - wurde im Mai 2016 umfassend überarbeitet und enthält jetzt nicht nur Informationen zu den repräsentativen Psi-Werten für Fenster, sondern auch zu den neuen BF-Datenblättern für Fassadenprofile. Darüber hinaus wurde ein weiteres Kapitel über die wärmetechnische Behandlung von Sprossenfenstern aufgenommen. Das Merkblatt steht auf der Homepage des BF zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

Der Arbeitskreis Warme Kante

Der Arbeitskreis ‘Warme Kante’ ist ein Unterausschuss des Technischen Ausschusses beim Bundesverband Flachglas. Die Teilnehmer des Arbeitskreises sind Mitglieder und Fördermitglieder des BF. Wissenschaftlich begleitet wird der Arbeitskreis durch Prof. Dr. Franz Feldmeier, Hochschule Rosenheim und Dipl.-Phys. Norbert Sack, ift Rosenheim.

 

Literatur

[1] EN ISO 12631:2012 Wärmetechnisches Verhalten von Vorhangfassaden – Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten, Berlin, Beuth Verlag GmbH.

 

[2] ift-Richtlinie WA-22/1 Wärmetechnisch verbesserte Abstandhalter – Teil 3: Ermittlung des repräsentativen Ψ-Wertes für Fassadenprofile
Rosenheim, ift Rosenheim, Januar 2016.

 

[3]BF-Merkblatt 004/2008 – Änderungsindex 3 – Mai 2016, Kompass ‚Warme Kante‘ für Fenster und Fassaden, Bundesverband Flachglas, Troisdorf, http://www.bundesverband-flachglas.de/downloads/publikationen/

 

Anhang: Abbildungen zu den Datenblättern. Quelle: BF

 

Infos zum BF unter www.bundesverband-flachglas.de

 [Downloads: TextAbb 1, Abb 1.2, Abb 2]

You are here: Der BF | Pressemitteilungen | Presse 2016 |