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Vom matten Sandkuchen zum gläsernen Naturkino – Glasherstellung begann vor rund 7000 Jahren

Troisdorf. Etwa 7000 Jahre ist es her, als im fernen Ägypten der Werkstoff Glas erstmals künstlich hergestellt und für die Glasur von Tongefäßen verwendet wurde. Selbst in den Jahrtausenden davor war das Material bereits bekannt: Das bei Vulkanausbrüchen oder Blitzeinschlägen natürlich entstandene Glas wurde bereits in der Jungsteinzeit für die Produktion von Jagdwaffen und feinem Schmuck genutzt. Heute wird Glas zwar industriell und in großen Mengen gefertigt, es hat aber nie seine Attraktivität und Faszination eingebüßt.

 

Wer im Urlaub am Strand entlanggeht, würde angesichts des feinkörnigen Sandes unter seinen Füßen niemals glauben, dass daraus Glasscheiben entstehen, die klar wie Wasser und dennoch stabil und wärmedämmend sind. Rund 1600 Grad Celsius sind dafür nötig: Werden Sand, Kalk, Soda und Altglas erhitzt und nach Herstellung der gewünschten Produktform wieder auf Raumtemperatur abgekühlt, bleibt dieses faszinierende Material übrig. „Der Kalk dient dabei der Steigerung der Glashärte und Altglas sowie Soda werden hinzugegeben, um die Schmelztemperatur und damit den Energieverbrauch zu senken“, erklärt Jochen Grönegräs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Flachglas (BF).

 

Ein Zinnbad macht Glas spiegelglatt
Flachglas für den Einsatz in Wohn- und Geschäftsgebäuden oder in Fahrzeugen wird im so genannten „Floating-Verfahren“ hergestellt. Das Verfahren basiert auf einer Erfindung der englischen Firma Pilkington aus dem Jahr 1959. „Floating“ bedeutet „schwimmend“: Bei der Produktion schwimmt die heiße Glasmasse auf einem Bad aus flüssigem Zinn. „Das schafft sie, weil Glas leichter ist als das Schwermetall. Dadurch breitet es sich ganz gleichmäßig und glatt wie ein Ölfilm darauf aus“, erklärt Grönegräs. Am Ende der Float-Wanne gelangt das Glas, das zu diesem Zeitpunkt noch mehr als 600 Grad heiß ist, in einen Kühlkanal und wird dort langsam auf rund 180 bis 200 Grad abgekühlt. Große Ventilatoren bringen es schließlich auf Raumtemperatur.

 

Glas sorgt für Durchblick im Alltag
Das Endprodukt „Flachglas“ ist Ausgangsmaterial für nahezu alle Glasprodukte aus beschichtetem Glas, Isolierglas, Einscheibensicherheitsglas oder Verbundsicherheitsglas. „Dazu zählen nicht nur Fenster, Haus- und Innentüren sowie großflächige Fassadenelemente, sondern zum Beispiel auch Spiegel, Treppenstufen, großformatige Trennwände, Komponenten von gläsernen Aufzügen, Möbel und attraktive Bestandteile von Badezimmern oder Kücheneinrichtungen“, erklärt Grönegräs. In all seinen Variationen stellt das durchsichtige Material eine attraktive Verbindung der Wohn- und Arbeitswelt mit der Außenwelt her, ohne dass der Mensch mit ihren Unbilden – sei es in Form von starkem Regen, kräftigem Wind oder eisigen Temperaturen im Winter – in direkten Kontakt tritt. Und geht doch einmal etwas zu Bruch, wird das alte Glas als wertvoller Rohstoff wieder in die Glasproduktion eingegliedert und ein neuer, spannender Herstellungsprozess beginnt. BF/DS

 

Infobox: Glas ist ein Werkstoff mit einzigartigen Eigenschaften. Seine Moleküle haben – anders als zum Beispiel bei Metall – keine regelmäßige, kristalline Struktur. Das Glas ist zwar ein fester Stoff, ähnelt von seinem Aufbau her aber eher einer Flüssigkeit. Fachleute nennen Glas deshalb auch „unterkühlte Schmelze“.

Bild 1: In riesigen Lagerhallen warten die Rohstoffe für die Glasherstellung auf ihren Einsatz. Foto: BF/Pilkington

Bild 2: Im Floatbad treibt das heiße Glas auf flüssigem Zinn, Toproller greifen in den Glasrand. Foto: BF/Pilkington

Bild 3: Glas, wie man es kennt: als attraktiver Bestandteil einer Hausfassade. Foto: BF/Interpane

Mehr Informationen zum Thema Glas gibt es im Internet unter www.bundesverband-flachglas.de

[Downloads: Text, Bild 1, Bild 2, Bild 3]

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